Wer etwa vor die
Entscheidung gestellt würde, ob das Maico-Mobil MB 151 ein vollkarossiertes
Motorrad oder ein echter Roller sei, hätte es bestimmt nicht leicht. Diese Frage
spielte für den damaligen Käufer jedoch nur eine nebensächliche Rolle; was ihn
interessierte, war der Schutz gegen Beschmutzung von der Straße und vom
Triebwerk her, sichere Straßenlage, Betriebswirtschaftlichkeit und anständiger
Fahrkomfort. Das alles bekam er beim Kauf des Maico-Mobils, jede weitere
Überlegung war müßig.
Der Rahmen aus Stahlrohr
könnte aufgrund des fehlenden - bei Rollern sonst üblichen - Durchstiegs, vom Maico-Motorrad
M 151 übernommen worden sein – ist er aber nicht. Die Vorderradführung stammt zwar
von der M 151 und ist als stabile Teleskopgabel ausgeführt, das Hinterrad zusammen
mit dem gesamten Triebwerk wird allerdings in Form einer Triebsatzschwinge mit
vor dem Motor liegendem Drehpunkt geführt. Die Abfederung erfolgt über eine
einzelne Schraubenfeder mit einem in der Feder liegenden Vollgummizylinder als
Anschlagpuffer. Zur Dämpfung und Vermeidung des Herausrutschens der Feder beim
Ausfedern wird der Federweg durch zwei Gummibänder begrenzt. Das Maico-Mobil
besitzt als MB 151 eine Bereifung 3,00-14“. Die Fußbremse wird über ein nach
hinten gerichtetes Pedal auf der rechten Seite betätigt – also anders herum als
sonst üblich. Statt mit der Fußspitze wird mit der Hacke gebremst.
Eine Möglichkeit zum
Aufbocken des MB 151 sucht man vergeblich, da kein Mittelständer, sondern nur
ein eigenwillig geformten Seitenständer am Ende des linken Trittbetts vorhanden
ist. Zum Wechsel der Räder muss das Mobil auf die rechte Seite gelegt werden.
Damit in dieser Position die Räder freikommen, befindet sich im Bereich des
Drehpunktes der Triebsatzschwinge ein weiterer herausklappbarer Ausleger.
Aus Gründen günstiger
Gewichtsverteilung ist der vom Motorrad M 151 übernommene
Einzylinder-Zweitakter (148 ccm / 6,5 PS) eigener Bauart ungefähr in der Mitte
des Radstandes untergebracht, der 8,5 Liter fassende Kraftstofftank in Höhe des
Steuerkopfes. Damit wird eine sonst nur schwer zu vermeidende Hecklastigkeit
umgangen und eine hervorragende Handlichkeit und Straßenlage erreicht. Die
Kühlung des Motors erfolgt über ein Radialgebläse, das über einen Keilriemen
von der Kurbelwelle angetrieben wird. Das dreigängige Wechselgetriebe wird über
die Maico-typische Drehgriffschaltung vom Lenker aus betätigt – ebenfalls wie
bei der M 151. Die Kraftübertragung zum Hinterrad erfolgt über eine Kette, die
dank der als Ganzes federnden Triebsatzschwinge über den gesamten
Federungsbereich stets konstante Spannung aufweist und dadurch sehr geschont
wird.
Die gekonnte Vollverschalung
besteht aus Leichtmetallblech. Die Bugverkleidung ist so breit, dass sie die Beine
des Fahrers umfasst; sie trägt zudem eine serienmäßige gebogene und
windschnittige Schutzscheibe aus gepresstem Plexiglas (50 cm hoch) und nimmt in
ihrem oberen Teil das Armaturenbrett auf, das notfalls sogar einen
Rundfunkempfänger beherbergen könnte. Der auch im damaligen Opel Kapitän
verwendete Scheinwerfer sitzt fest montiert in dieser Bugverkleidung und
schwenkt beim Lenken nicht mit – seinerzeit ein Novum bei Zweiradfahrzeugen.
Organisch weitet sich die Heckverkleidung nach hinten zur Aufnahme des
geschützt liegenden Reserverades; sie schafft zugleich Raum für Gepäck und
Aktentaschen. Das Oberteil ist nebst Soziussitz nach vorn aufklappbar, um den
Zugang zum Gepäckraum freizugeben. Der Motor ist durch zwei kleine, nach oben zu
öffnende Klappen zugänglich. Die Karosserie ist so eigenwillig wie schön; sie
verbindet besten Schutz des Fahrers gegen Bespritzen von den eigenen wie von
fremden Rädern her mit gutem Windschutz und ansprechender Form. Die Motorkühlluft
erwärmt im Winter den Fußraum. Ein Fahrkomfort, der bei Zweirädern bis heute
einmalig ist.
Plexiglasscheibe, geräumiger
Stauraum, Handschuhkasten, Ferntupfer, Zweischiebervergaser, 35/45 Watt
Gleichstrom-Lichtanlage und Ersatzrad gehörten zur serienmäßigen Ausrüstung des
MB 151, das bei 2,1 Liter/100 km und einem Leergewicht von 122 kg gute 75 km/h
Spitzengeschwindigkeit besitzt und als Musterbeispiel zweckmäßiger und
formschöner Motorrad-Konstruktion anzusprechen ist. Preis ab Werk: 1680,- DM.
Das Maico-Mobil war ein
geniales Fahrzeug, das schon zu Produktionszeiten auffiel – jedoch nicht
jedermanns Geschmack traf und sich daher nie richtig durchsetzen konnte. Die
damaligen Rollerkäufer konnten auch durch Zuverlässigkeitsbeweise, wie die
Weltreisen des Holländers Wim Dussel, nur selten zum Kauf motiviert werden. Das
Maico-Mobil führte auf deutschen Straßen immer ein Schattendasein. Daran
konnten auch die ständigen technischen Verbesserungen nichts ändern. Nach dem
nur ein Jahr gebauten MB 151 (etwa 600 Stück) kamen MB 175 (etwa 6000 Stück)
und MB 200 (etwa 3000 Stück) mit größeren Motor-Wartungsklappen, einteiliger
Bugverkleidung und fußgeschaltetem Vierganggetriebe auf den Markt, die
insbesondere in England und Holland großen Zuspruch fanden. Mit dem Erscheinen
der Maicoletta im Frühjahr 1955 wurde der Bau des Maico-Mobils offiziell eingestellt.
In Großbritannien gab es aber noch eine so große Nachfrage, dass man sich in
Pfäffingen entschloss, ab Mai 1957 eine letzte Sonderserie von 200
England-Mobilen aufzulegen. 1958 war dann endgültig Schluss.
Wettbewerber, wie zum
Beispiel Heinkel, deren Tourist erst 1955 auf den Markt kam,
wurden bis Anfang der 60’er Jahre angeboten oder sind bis heute erhältlich, wie
die Vespa. Die Zeit für Autos auf zwei Rädern war Anfang der fünfziger Jahre
noch nicht gekommen. Im beginnenden Wirtschaftswunder wollte man in Deutschland
entweder einen handlichen Roller oder gleich ein richtiges Dach über dem Kopf. Beim
Betrachten der heutigen italienischen, japanischen und koreanischen Maxi-Roller
wird klar, dass das Maico-Mobil seiner Zeit um Jahre – wenn nicht Jahrzehnte - voraus
war.